Baustein III: Wo suchen

Nachdem Sie sich Suchbegriffe und Suchstrategien zurechtgelegt haben, sollten Sie sich überlegen, wo Sie suchen wollen. Um das entscheiden zu können, müssen Sie die unterschiedlichen Informationsmittel kennen.
In diesem Kapitel lernen Sie zunächst verschiedene wissenschaftliche Veröffentlichungsarten kennen. Anschließend werden die einzelnen Informationsmittel, in denen Sie suchen können, vorgestellt. Die richtigen Quellen zu kennen, spart Ihnen bei Ihrer Recherche viel Zeit, denn Sie müssen nicht blind suchen, sondern Sie können ganz gezielt dort recherchieren, wo die benötigten Informationen sind.

Dauer: ca. 50 Minuten

1. Veröffentlichungsarten

Wissenschaftliche Ergebnisse werden in verschiedenen Formen veröffentlicht. Bevor Sie etwas zu den Publikationsformen erfahren, folgen erst einmal einige wichtige Unterschiede hinsichtlich der Art der Veröffentlichung:

Selbstständige Literatur Unselbstständige Literatur
Selbstständig erschienene Literatur ist das Werk meist eines Autors, das inhaltlich und physisch in sich abgeschlossen ist. Diese Publikation wird alleine und nicht zusammen mit anderen Werken veröffentlicht. Sie erhält einen eigenen Titel, unter dem sie im Bibliothekskatalog gesucht werden kann. Zur selbstständigen Literatur gehören z.B. Monografien oder Dissertationen. Zur unselbstständigen Literatur zählen Texte, die Teil eines Gesamtwerkes sind. Dazu zählen bspw. Aufsätze, die in einer Zeitschrift veröffentlicht werden sowie Beiträge in Sammelwerken. Unselbstständige Literatur besitzt keine eigene ISBN und man findet sie bei der Recherche in Bibliothekskatalogen i.d.R. nicht unter ihrem Titel oder Verfasser. Sie müssen immer nach der Publikation (Quelle) suchen, in der sie enthalten ist. Wie Sie dennoch nach unselbstständiger Literatur recherchieren können, erfahren Sie später.

Primärliteratur Sekundärliteratur
Primärliteratur sind Originalarbeiten, bspw. die Schriften eines Autors oder Quellenwerke (z. B. Gesetze, Urkunden), die zum Gegenstand Ihrer wissenschaftlichen Forschung werden können. Die Sekundärliteratur beschäftigt sich mit der Primärliteratur. Sie erklärt und/oder interpretiert diese. Zur Sekundärliteratur gehören z.B. Kommentare oder Lehrbücher.


Die verschiedenen Publikationsformen

Im folgenden Teil werden die unterschiedlichen Publikationsformen vorgestellt. In der Übersichtsdarstellung sind die Publikationsformen alphabetisch aufgelistet. Sie gibt Ihnen einen kurzen Überblick, was Sie in den jeweiligen Publikationen finden können. Im Anschluss werden die einzelnen Publikationsformen näher erläutert. Beachten Sie bitte, dass sich nicht alle Formen klar voneinander trennen lassen. Manche eignen sich für mehrere Zwecke, z.B. sowohl für die Recherche nach Begriffen als auch nach Literaturnachweisen.

 

Die verschiedenen Publikationsformen

(Zum Vergrößern der Tabelle bitte auf die Vorschau klicken)

1.1 Nachschlagewerke

In Nachschlagewerken können Sie Begriffe, Fakten und Zahlen finden. Es gibt allgemeine und fachspezifische Nachschlagewerke. Die Bibliothek besitzt eine Vielzahl dieser Werke in gedruckter oder elektronischer Form.

Enzyklopädie: Allgemeinenzyklopädien stellen das gesamte Wissen dar, während Fachenzyklopädien das Wissen eines eingeschränkten Themenbereichs detailliert behandeln. In einer Enzyklopädie finden Sie relativ ausführliche Artikel und Literaturnachweise der verwendeten Literatur.

Lexikon: Ein Lexikon enthält im Gegensatz zur Enzyklopädie kürzere Artikel und keine Literaturnachweise. Es ist wie eine Enzyklopädie i.d.R. alphabetisch geordnet. Lexika können allgemeines Wissen enthalten, aber auch für einen speziellen Themenkreis zusammengestellt sein.

Wörterbuch: Neben dem Sprachwörterbuch, das zur Vermittlung sprachlichen Wissens dient, gibt es noch eine Reihe anderer Wörterbücher, z.B. Rechtschreibe-, Synonym- oder Fremdwörterbücher.

Faktensammlung: Es gibt verschiedene Publikationen, die Zahlen und/oder Fakten enthalten. Sie dienen als Nachschlagewerke für statistische Angaben und wichtige Zahlen. Beispiele sind Statistische Jahrbücher, Tafelwerke, Orts- und Namensverzeichnisse und Almanache.

1.2 Zusammenfassende Darstellungen

Die zusammenfassenden Darstellungen geben Ihnen einen guten Überblick über Ihr Fach oder ein bestimmtes Teilgebiet.

Handbuch: In einem Handbuch ist das Wissen eines Fachgebiets systematisch (z.B. chronologisch, alphabetisch oder thematisch) geordnet. Es gibt Ihnen einen guten Überblick über die Inhalte und Entwicklung eines speziellen Themas oder Fachgebiets. Ein Handbuch kann auch in mehreren Bänden erscheinen und wird meist von mehreren Fachwissenschaftlern geschrieben.

Lehrbuch: Ein Lehrbuch vermittelt das grundlegende Wissen eines Fachs (bzw. eines Teilbereichs) und präsentiert den derzeitigen Forschungsstand. Der Lehrstoff ist in einfacher Form dargestellt und didaktisch aufbereitet.

1.3 Aufsätze

Aufsätze sind kurze, thematisch in sich geschlossene wissenschaftliche Arbeiten, die in Fachzeitschriften oder Sammelbänden veröffentlicht werden. Aufsätze enthalten im Allgemeinen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und neue Resultate zu einem bestimmten Thema.

Fachzeitschrift: Diese Zeitschriften erscheinen regelmäßig (periodisch), in gedruckter und/oder elektronischer Form und enthalten Aufsätze zu einem bestimmten Fach- oder Themengebiet.

Sammelwerk: In einem Sammelwerk werden in sich abgeschlossene Beiträge mehrerer Autoren zu einem Rahmenthema gemeinsam publiziert. Diese Aufsatzsammlung erhält einen den gesamten Inhalt charakterisierenden Titel. Typische Sammelwerke sind Konferenzberichte oder Festschriften.

1.4 Wissenschaftliche Einzelarbeiten

Viele der Publikationen, die Ihnen begegnen werden, sind die Werke eines einzelnen Autors.

Monografie: Eine Monografie ist eine in sich abgeschlossene selbstständige Veröffentlichung und behandelt ein einzelnes, begrenztes Thema umfassend.

Dissertation: Darunter versteht man eine schriftliche wissenschaftliche Arbeit, die eine Voraussetzung zur Erlangung eines Doktorgrades ist. Die Dissertation (auch: Doktorarbeit) enthält neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu einem meist sehr speziellen Thema.

Habilitationsschrift: Diese wissenschaftliche Arbeit wird im Rahmen der Habilitation zum Erwerb der Lehrberechtigung (i.d.R. für eine Professur) vorgelegt.

1.5 Aktuelle wissenschaftliche Informationen

Aktuelle wissenschaftliche Informationen sind oft in der sogenannten "Grauen Literatur" enthalten. So nennt man Publikationen, die außerhalb des Buchhandels erscheinen. Außerdem findet man die aktuellsten Informationen auch in Zeitschriftenartikeln oder PrePrints dieser Artikel, die häufig online verfügbar sind.

Proceedings / Konferenzberichte: Diese Veröffentlichungen enthalten die i.d.R. verschriftlichte Vorträge, die auf wissenschaftlichen Kongressen und Tagungen gehalten wurden.

Reports / Forschungsberichte: Diese Publikationen stellen Ergebnisse, Stand oder Fortschritte von Forschungsvorhaben dar. Einige Forschungsberichte sind nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

1.6 Elektronische Publikationen

Elektronische Publikationen finden in der wissenschaftlichen Welt eine immer größere Verbreitung. Viele Veröffentlichungen, die früher nur gedruckt erschienen sind, gibt es mittlerweile auch in elektronischer Form, z.B. Zeitschriften, E-Books oder Forschungsberichte. Sie finden sie auf CD-ROM oder in Form von Datenbanken oder anderen Plattformen, wie E_Book-Plattformen oder Publikationsservern etc., auf die Sie über das Internet zugreifen können.

Diese Online-Quellen bieten mehrere Vorteile: Sie können gleichzeitig mit anderen sehr schnell und oft unabhängig von einem bestimmten Ort auf das Buch oder den Aufsatz zugreifen. Elektronische Publikationen sind im Vergleich zu gedruckten Publikationen häufig viel aktueller. Allerdings ist ein großer Teil der hochwertigen elektronischen Angebote nicht für jeden frei zugänglich. Ihre Bibliothek erwirbt Lizenzen für diese Datenbanken, d.h. sie hat einen oder mehrere Zugänge gekauft. Sie können entweder von Rechnern auf dem Campus auf diese Quellen zugreifen oder wenn Sie selbst vor Ort in das Campus-Netz eingeloggt sind. Von zuhause aus können Sie, wenn Sie von der Universität Augsburg sind, ein Programm ( VPN-Client )auf Ihrem Computer installieren, das sich in das Universitätsnetz einwählt. In das Universitätsnetz der Universität Regensburg können Sie sich durch die Eingabe der Rechenzentrumskennung über diese Seite einwählen, oder sich ebenfalls über den VPN mit dem Universitätsnetz verbinden.

2. Informationsmittel

Im ersten Teil des Kapitels haben Sie erfahren, welche Möglichkeiten der Veröffentlichung bestehen. In diesem Teil werden Sie lernen, wo Sie nach Literatur für Ihr Thema suchen können. Für diese Quellen wird auch der Begriff Informationsmittel verwendet. Grundsätzlich ist es immer sinnvoll, für eine wissenschaftliche Arbeit mehrere Quellen zu benutzen, um eine repräsentative und qualitativ hochwertige Auswahl an Informationen zu bekommen. Dieses Kapitel bietet Ihnen eine kurze Übersicht über die möglichen Informationsmittel.

Diese verschiedenen Informationsmittel können Ihnen bei Ihrer Recherche nützlich sein:

Informationsmittel

Die Tabelle schlüsselt Ihnen die einzelnen Informationsmittel danach auf, was Sie in ihnen finden und wie sie Ihnen helfen können. Zum Vergrößern der Tabelle auf die Vorschau klicken und danach vergrößern:

Informationsmitteluebersicht

2.1 Persönliche Kontakte

Persönliche Kontakte können bei Ihrer Recherche oft sehr hilfreich sein. Ihre Dozenten geben Ihnen Literaturlisten, die wichtige Literatur für Ihr Fach enthalten. Sie können sie auch nach Empfehlungen fragen. Außerdem können Sie bei Ihren Kommilitonen oder älteren Studierenden nachfragen, was sie zu einem Thema gelesen haben. Natürlich können Sie auch "externe" Experten befragen. In Fachportalen, Mailinglisten oder Newsgroups können Sie Experten finden oder Sie suchen auf den Webseiten von Institutionen, Firmen, Verbänden etc. nach Kontaktpersonen. Auch in der Bibliothek finden Sie immer einen Ansprechpartner: Entweder wenden Sie sich an die Mitarbeiter an den Informationsplätzen oder direkt an einen unserer Fachreferenten (Augsburg: Fachreferenten; Regensburg: Fachreferenten ). Sie können Sie bei der weiterführenden Recherche nach Literatur sehr gut beraten.

2.2 Nachschlagewerke

Für den Einstieg in Ihr Thema benötigen Sie oft erst einmal Definitionen und Fakten oder einführende Werke bzw. Überblicksdarstellungen. Dabei helfen Ihnen Nachschlagewerke, Hand- oder Lehrbücher. Die Bibliothek besitzt viele dieser Werke. Die gedruckten Nachschlagewerke finden Sie im OPAC oder im Freihandbestand unter dem Lokalkennzeichen 11  (Lage in Augsburg; Lage in Regensburg) in der Zentralbibliothek oder beim jeweiligen Fach.

Viele Nachschlagewerke sind online zugänglich. Sie finden sie bspw. mit dem Datenbankinfosystem (DBIS). In DBIS sind viele Datenbanken verzeichnet. Allgemeine Nachschlagewerke finden Sie in der Fachübersicht im Bereich "Allgemein/Fachübergreifend". Die Datenbanken werden dort in verschiedene Rubriken eingeteilt, z.B. "Wörterbuch, Enzyklopädie, Lexika" oder "Adress- und Firmenverzeichnisse".

2.3 Regalsuche

Das Stöbern in den Regalen kann Ihnen einen ersten Überblick verschaffen, welche Literatur die Bibliothek zu Ihrem Thema besitzt. Erleichtert wird Ihnen das Stöbern, da die Bücher systematisch, d.h. fachlich geordnet sind. Allerdings finden Sie dort nur einen Teil der vorhandenen Literatur, v.a. aktuelle und häufig gebrauchte Werke. Medien mit Sonderstandorten, z.B. CD-ROMs, Karten und Magazinbestände sind nicht frei zugänglich aufgestellt. Elektronische Publikationen und ausgeliehene Werke entdecken Sie so ebenfalls nicht.

2.4 Bibliothekskataloge

Bibliothekskataloge verzeichnen den Bestand einer Bibliothek, d.h. alle Medien, z.B. Bücher, Zeitschriften, E-Journals, die eine Bibliothek besitzt. Der Katalog hilft Ihnen, Literatur zu finden, zu bestellen und Ihre Ausleihen zu verwalten. Heute sind die Bibliothekskataloge online vorhanden. Die Bibliothek verwendet dafür den Fachbegriff OPAC (Online Public Access Catalogue). Die Kataloge sind über das Internet frei zugänglich. Sie können also bequem von zu Hause aus recherchieren. Es gibt drei Arten von Bibliothekskatalogen:

Lokale Kataloge: Das ist der Katalog Ihrer Bibliothek vor Ort, z.B. der OPAC der UB Augsburg oder der UB Regensburg. Sie können  ihn von der Homepage der Bibliothek unter der Rubrik „Literatur suchen" (Augsburg; Regensburg) aus aufrufen oder direkt starten (Augsburg; Regensburg).

Regionale Kataloge: Diese Kataloge weisen die Medien einer bestimmten Region nach. Es gibt in Deutschland sechs Bibliotheksverbünde, in denen sich die wissenschaftlichen Bibliotheken aus einem oder mehreren Bundesländern zusammengeschlossen haben. Ein Verbundkatalog verzeichnet also die Bestände aller Bibliotheken des Verbundes. In Bayern heißt der Verbund BVB (Bayerischer Bibliothekverbund) und sein Katalog ist das „Gateway Bayern" . Sie finden diesen Katalog auch über die Homepage der Bibliothek unter "Literatur suchen" für Augsburg und unter „Literatursuche und Ausleihe" für Regensburg.

Überregionale Kataloge: Sie weisen die Bestände von Bibliotheken deutschland- bzw. weltweit nach, z.B. der Karlsruher Virtuelle Katalog (KVK).

Eine Übersicht weiterer Bibliothekskataloge finden Sie auf der Homepage der Bibliothek unter „Bibliotheken und Bibliothekskataloge" .

Mehr Informationen zur Recherche in den Katalogen finden Sie in Baustein IV „Recherchieren im lokalen Katalog der Universität".

2.5 Bibliografien

Für die intensive Beschäftigung mit einem Thema im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit benötigen Sie weiterführende Literatur. Bibliografien helfen Ihnen dabei, diese Literatur zu finden. Eine Bibliografie ist ein Verzeichnis von Literaturnachweisen. Man unterscheidet dabei allgemeine Bibliografien und Fachbibliografien. Bibliographien werden von verschiedenen Institutionen erarbeiten, wie z.B. Bibliotheken, Verlagen oder Forschungsinstituten. Zu den allgemeinen Bibliographien gehören z.B.:

  • Nationalbibliographie = Neuerscheinungen eines Landes oder eine Sprache
  • Verzeichnisse lieferbarer Bücher (VLB) = Buchhandelsverzeichnis, listet alle Bücher auf, die zurzeit lieferbar sind
  • Personalbibliographien = enthält Werke einer Person oder Werke über eine Person
  • Bibliographien von Rezensionen.

Für die Ermittlung von Literatur im wissenschaftlichen Bereich sind besonders die Fachbibliographien geeignet. Diese liefern eine umfassende bis vollständige Übersicht der Literatur, die zu einem Fachgebiet oder einem bestimmten Thema innerhalb eines festgelegten Zeitraums erschienen ist. Sie ist für Sie sehr hilfreich, da sie neben selbstständiger Literatur wie Monografien auch unselbstständige Literatur wie Zeitschriftenaufsätze verzeichnet. Die Literatur kann dabei alphabetisch, systematisch oder chronologisch geordnet sein. Bibliografien, die Bestandteil von Monografien oder Aufsätzen sind, bezeichnet man auch als Literaturverzeichnis. Sie können gedruckt oder elektronisch erscheinen.

Bibliografien helfen Ihnen festzustellen, welche Literatur in Ihrem Fach oder zu einem Thema veröffentlicht wurde. Sie zeigt Ihnen allerdings nur, welche Literatur es gibt, nicht jedoch wo sie vorhanden ist. Wie Sie Literatur beschaffen können, lesen Sie in Baustein VI „Quellen beschaffen".

2.6 Internet

Das Internet als Informationsmittel bietet Ihnen eine Vielzahl von Informationen für Ihre Recherche an. Sie können Suchmaschinen oder Fachportale verwenden, um Webseiten zu Ihrem Thema zu finden oder ein Online-Lexikon wie Wikipedia benutzen, um Begriffe nachzuschlagen. In Foren oder Weblogs finden Sie sehr aktuelle Informationen und Meinungen zu Ihrem Thema. Spezielle Datenbanken helfen Ihnen, gezielt nach wissenschaftlichen Quellen zu suchen. Sie müssen bei der Recherche im Internet allerdings etwas vorsichtiger sein, da diese Informationen nicht immer geprüft sind und Sie sich deshalb nicht auf die Qualität verlassen können. Von der Qualität hängt aber ab, ob Sie eine Internetquelle in Ihrer Arbeit verwenden (zitieren) können. Wenn Sie Sich bei der Recherche im Internet auf von der Bibliothek empfohlene Seiten (z.B. die elektronischen Datenbanken aus DBIS) stützen, können Sie davon ausgehen, dass die Quellen von Qualität sind.

Alles Wichtige zum Thema Internet finden Sie in Baustein V "Recherchieren in regionalen und überregionalen Katalogen", Kapitel 4. "Recherche im Internet".

3. Schritt vier: Recherchestrategien nach Informationsmitteln

Nachdem Sie nun wissen, welche Informationsmittel Sie für die Recherche heranziehen können, ist es wichtig, dieses Wissen auch für Ihre Recherchestrategie zu nutzen.

Dabei hängt die Auswahl der Informationsmittel, in denen Sie suchen natürlich auch immer von Ihrer gewählten Suchstrategie ab (Link zu Schritt 3: Auswahl der Suchstrategie). Generell bietet es sich jedoch an, sich zuerst einen Überblick zu verschaffen. Dazu ziehen Sie die Informationsmittel heran, die dafür geeignet sind, z.B. Lexika, Enzyklopädien. Diese helfen Ihnen dabei, das Thema zu verstehen und Fachausdrücke interpretieren zu können. Im nächsten Schritt vertiefen Sie das Thema, indem Sie ausführliche Texte nachlesen und schließlich suchen Sie sich Zusatzquellen, die Ihr Basiswissen vertiefen und aufwerten können. Diese drei Schritte können natürlich noch weiter ausdifferenziert werden.

Recherchestrategie

Bei der Vertiefung des Themas mit Hilfe von Bibliographien (z.B. Datenbanken in DBIS) oder mit Hilfe der elektronischen Zeitschriftenbibliothek sollten Sie darauf achten, dass Sie Datenbanken bzw. Zeitschriften auswählen,

  • die den richtigen thematischen Schwerpunkt haben (z.B. werden Sie in einer Datenbank im Bereich der  Rechtswissenschaften relativ wenig zu dem Thema „Lernen" finden),
  • die den richtigen Zeitraum abdecken (wenn Sie z.B. ein relativ neues, also junges Phänomen recherchieren, sollten Sie keine Zeitschriften heranziehen, die seit den 1980er Jahren nicht mehr erschienen sind),
  • die über eine große Datenbank verfügen. Je mehr Quellen sich in der Datenbank befinden, desto höher ist Ihre Chance, geeignete Quellen zu finden,
  • die über ein detailliertes Angebot verfügen. Je mehr Informationen Sie zu den Quellen abrufen können, desto besser können Sie einschätzen, ob die Quelle für Sie geeignet ist oder nicht. Zusatzinformationen sind z.B. Abstracts, Textauszüge, Schlagwörter, Reviews, etc.,
  • die den geographischen Schwerpunkt der Publikationen darlegen (z.B. gibt es deutschsprachige Zeitschriften, in denen hauptsächlich deutschsprachige Wissenschaftler veröffentlichen, aber auch internationale Journals etc. und es ist wichtig zu wissen, welche Quellen nicht in der Datenbank zu finden sind),
  • deren Sprache man spricht (wenn Sie nicht französisch sprechen, bietet es sich nicht an, in einer französischsprachigen Datenbank oder Zeitschrift zu recherchieren),
  • eine hohe Updatehäufigkeit haben (d.h. in die neue Quellen schnell eingepflegt werden).

Weitere Auswahlkriterien, die insbesondere für Datenbanken gelten, sind, welchen Recherchekomfort sie bieten (Benutzerfreundlichkeit, angebotene Optionen, Volltextbestellung), welche Serviceleistungen zur Verfügung stehen (z.B. ob es ein Tutorial gibt, eine Hilfe-Funktion etc.) und in manchen Fällen, wie das Preis-Leistungs-Verhältnis ist.

4. Schritt fünf: Umsetzung der Fragestellung

In Kapitel 1.2 haben Sie bereits ein paar Möglichkeiten kennengelernt, um die von Ihnen ausgewählten Suchbegriffe an die Sprache der benutzten Datenbank bzw. den Katalog anzupassen (z.B. englische Begriffe bei englischsprachiger Datenbank verwenden, Schlagwörter, Synonyme, Homonyme etc. heranziehen). Sie müssen aber, wenn Sie die Informationsmittel ausgewählt haben, Ihre Suchbegriffe erneut überarbeiten bzw. durch bestimmte Formulierungen ergänzen. Die Technik der Datenbanken bietet dafür zwei wesentliche Hilfestellungen an: (1) den Einsatz von Verknüpfungsoperatoren und (2) Trunkierungsmöglichkeiten.

4.1 Verknüpfungsoperatoren

Sie haben in diesem Kapitel bereits gelernt, dass Sie durch die Kombination Ihrer Suchbegriffe Ihre Recherche optimieren können. Die wohl bekannteste Form der Verknüpfungsoperatoren sind die Boole'schen Operatoren, die UND, ODER, UND NICHT (oder AND, OR, NOT) heißen. Der Einsatz dieser Operatoren kann das Ergebnis Ihrer Recherche erheblich beeinflussen:

Operator Beispiel Ergebnis
UND Medien und JugendMedien und Jugend Es wird der erste UND der zweite Suchbegriff gesucht, d.h. Medien und Jugend müssen in den Ergebnissen vorkommen. Das UND verringert die Treffermenge und erhöht gleichzeitig die Treffergenauigkeit, da beide Begriffe vorhanden sein müssen.
ODER Medien oder JugendMedien oder Jugend Bei der Verknüpfung von zwei Suchbegriffen mit ODER werden alle Treffer angezeigt, die entweder den einen ODER den anderen Begriff enthalten. Es können beide Begriffe vorkommen, aber es muss mindestens einer der beiden Suchbegriffe im Treffer stehen. Mit ODER erhöhst du also deine Treffermenge.
UND NICHT Medien und nicht FernsehenMedien und  nicht Fernsehen UND NICHT bzw. nur NICHT schließt die Suchbegriffe aus, die hinter dem Operator stehen. Diese Beispielsuche findet alle Dokumente, die sich mit den „Medien“ beschäftigten und ignoriert diejenigen, welche den Begriff „Fernsehen“ enthalten. Die Treffermenge verringert sich. Verwende diesen Operator vorsichtig, da du so schnell auch relevante Ergebnisse ausschließen kannst, z.B. Dokumente, in denen steht, dass sie sich zwar mit „Medien“ beschäftigen, nicht jedoch mit dem „Fernsehen“

Abgesehen von diesen drei Operatoren gibt es noch verschiedene Operatoren, die nicht in jeder Datenbank Anwendung finden. Es empfiehlt sich deshalb vor der Recherche in einer Datenbank die Hilfeseiten anzusehen (falls vorhanden) und sich über die verwendbaren Operatoren zu informieren. Beispiele für Operatoren, die nicht von allen Datenbanken verwendet werden, sind ADJ, NEAR, SAME, WITH, NEXT.

4.2 Trunkierung

Um verschiedene Schreibweisen oder Pluralformen mit einer Suche abzudecken, bietet sich bei einigen Suchbegriffen eine Trunkierung an. Trunkieren bedeutet, dass Sie ein oder mehrere Zeichen durch ein bestimmtes Zeichen - einen Joker bzw. eine Wildcard - ersetzen. Im OPAC steht das * für ein oder mehrere Zeichen am Anfang, in der Mitte oder am Ende eines Wortes. Wenn Sie das ? nutzen, ersetzen Sie genau ein Zeichen. Die Trunkierungsmöglichkeiten und -zeichen sind in den einzelnen Katalogen und Datenbanken unterschiedlich, daher informieren Sie sich am besten vor der Suche in den Hilfeseiten.

Wenn Sie beispielsweise nach jugend* suchen, finden Sie gleichzeitig Jugend, Jugendliche, Jugendlicher usw. Sie erweitern dadurch Ihre Suche.

5. Zusammenfassung & weiterführende Literatur

Zusammenfassung

In diesem Kapitel haben Sie die restlichen zwei Schritte, die Sie bei der Entwicklung einer Suchstrategie berücksichtigen müssen, kennengelernt: Die Auswahl des Informationsmittels, in dem Sie suchen und die Adaption der Suchbegriffe auf die Sprache der Datenbank. Dazu können Sie beispielsweise die sogenannten Boole'schen Operatoren oder Trunkierungsmöglichkeiten einsetzen. Sie sollten nun in der Lage sein, Ihre Recherche vollständig zu planen und vorzubereiten. Im nächsten Kapitel lernen Sie die verschiedenen Kataloge und ihre Eigenheiten kennen und können diese Vorbereitsungsschritte systematisch anwenden.

Symbol Buch Literaturtipp

Corsten, H.& Deppe, J. (2008). Technik des wissenschaftlichen Arbeitens (3., vollst. überarb. Aufl.). "B Informationsbeschaffung", S. 19-59. München: Oldenbourg.

Franke, F., Klein, A. & Schüller-Zwierlein, A. (2010). Schlüsselkompetenzen: Literatur recherchieren in Bibliotheken und Internet. Stuttgart: Metzler.

Symbol Maus Linktipp

Stangl, W. (2010). Wissenschaftliche Literatur. Verfügbar unter: http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/ArbeitsblaetterWissen.html#Wissenschaftliche%20Literatur

6. Zitierte Literatur

Corsten, H.& Deppe, J. (2008). Technik des wissenschaftlichen Arbeitens (3., vollst. überarb. Aufl.). München: Oldenbourg.

Paetzel, U. (2001). Wissenschaftliches Arbeiten (1. Auflage). Berlin: Cornelsen Verlag.

Sesink, W. (2010).Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten (8. vollst. überarbeitete und aktualisierte Auflage). München: Oldenbourg.

Zorana, E. (2008) Information Literacy. Search Strategies, Tools & Resources for High School Students and College Freshmen. Columbus, Ohio: Linworth Books.

Selbsttest-Aufgaben Baustein III

Mit Hilfe dieser Selbsttest-Aufgabe können Sie noch einmal überprüfen, ob Sie die wichtigsten Inhalte aus dem Baustein III mitgenommen haben. Versuchen Sie zuerst, die Aufgabe selbst zu lösen. Wenn Sie auf „Lösung" klicken, können Sie die Beispiellösung mit Ihrer eigenen Lösung vergleichen.

 

1. Welche Texte gehören zur Sekundärliteratur? (Mehrere Antwortmöglichkeiten können richtig sein)

a. Lehrbücher
b. Gesetze
c. Kommentare
d. Urkunden

Lösung (hier klicken, um Beispiellösung angezeigt zu bekommen):

a,c

 

2. In welcher dieser Publikationsformen finden Sie sowohl Hinweise auf Bücher als auch auf neuere wissenschaftliche Erkenntnisse? (Mehrere Antwortmöglichkeiten können richtig sein)

a. in einer Bibliografie
b. in einer Dissertation
c. in einer Habilitationsschrift
d. in einer Monografie
e. in einem Sammelwerk
f. in einer Zeitschrift

Lösung (hier klicken, um Beispiellösung angezeigt zu bekommen):

a, b, c, f

 

3. Was versteht man unter "grauer Literatur"?

Lösung (hier klicken, um Beispiellösung angezeigt zu bekommen):

Publikationen, die außerhalb des Buchhandels erscheinen.

 

4. Welche Informationsmittel können neben Nachschlagewerken, der Regalsuche, Bibliothekskatalogen und Bibliografien noch bei der Recherche nützlich sein?

Lösung (hier klicken, um Beispiellösung angezeigt zu bekommen):

Persönliche Kontakte, Internet.

 

5. Beschreiben Sie in Ihren eigenen Worten, welches Suchergebnis Sie erhalten, wenn Sie diese Boole'schen Operatoren einsetzen?

a. UND
b. ODER
c. UND NICHT

Lösung (hier klicken, um Beispiellösung angezeigt zu bekommen):

a. UND: der erste und der zweite Suchbegriff kommen in den Ergebnissen zusammen vor
b. ODER: Ergebnisse enthalten entweder den einen oder den anderen Begriff
c. UND NICHT: bzw. nur NICHT schließt die Suchbegriffe aus, die hinter dem Operator stehen.