Baustein IX: Informationen ordnen & strukturieren

Nachdem Sie in den vorhergegangenen Kapiteln gelernt haben, wie Sie recherchieren und die Informationen verwalten, geht es in diesem letzten Kapitel darum, sich Techniken anzueignen, wie Sie Informationen erfassen, ordnen und strukturieren sowie ablegen können - ein wesentlicher Teil der Informationsrecherche, der häufig vernachlässigt wird.

Dauer des Kapitels: ca. 40 min.

1. Überblick verschaffen: Erschließen durch Lesen

Haben Sie Texte gefunden, ihre Qualität beurteilt und sie in Ihr Literaturverwaltungsprogramm eingepflegt, sollten Sie sich näher mit dem Inhalt auseinandersetzen. Hier bieten sich Exzerpte an. Unter einem Exzerpt versteht man die Zusammenfassung eines Textes oder die wörtliche Wiedergabe einer Textstelle. Darüber hinaus sind Exzerpte ein Mittel zum besseren Textverständnis, da man die Kernaussage ermitteln und der Gedankenabfolge des Verfassers folgen muss. Dadurch konzentriert man sich auf das Wesentliche. Das Exzerpieren dient somit der Lernkontrolle.

Gegebenenfalls sollten Sie das Exzerpieren mit dem Verwalten der Literatur im Literaturverwaltungsprogramm verknüpfen, da viele Programme (u.a. Citavi) Hilfen für das Erschließen der Quellen anbieten.

Die SQ3R-Methode hilft Ihnen dabei, sich einen Überblick über einen Text zu verschaffen und diesen treffend zusammenzufassen (exzerpieren). Sie besteht aus fünf Schritten, die der Methode auch den Namen gegeben haben:

S          Survey (Überblick): Zuerst verschaffen Sie sich einen Überblick über den Text. Es geht hier darum, dass Sie verstehen, wo der Schwerpunkt des Textes liegt, welche Argumentation er zugrunde legt und wie er aufgebaut ist. Dazu hilft es, das Inhaltsverzeichnis heranzuziehen oder auch ein Abstract bzw. die Zusammenfassung zu lesen.

Q         Question (Fragestellung): Dann überlegen Sie sich eine Frage, die Sie an den Text herantragen bzw. von ihm beantwortet haben möchten. Am besten notieren Sie sich diese Frage oben über dem Text.

R          Read (Lesen): Dann lesen Sie den Text und versuchen sowohl die von Ihnen gestellten Fragen zu beantworten, als auch die wesentlichen Aussagen des Textes zu erfassen. Es bietet sich an, wichtige Stellen mit einem Highlighter hervorzuheben.

R          Recite (Rekapitulieren): Wenn Sie den Text gelesen haben, fassen Sie in wenigen Worten zusammen, um was es in dem Text geht. Sie können den Inhalt auch als Mindmap oder als Cmap (siehe weiter hinten in diesem Kapitel) darstellen.

R          Review (Rückblicken): Abschließend kontrollieren Sie, ob die von Ihnen aufgestellten Fragen beantwortet wurden und ob alle Notizen etc. sich in der Zusammenfassung finden. Vergessen Sie nicht, das Exzerpt mit den bibliographischen Daten des Ursprungstextes zu versehen, damit Sie ggfs. in der Originalquelle nachlesen können.

Wenn Sie dieses System verwenden, können Sie Texte, die für Sie doch nicht relevant sind, relativ schnell ausschließen und müssen sie nicht erst bis zum Schluss durchlesen. Es empfiehlt sich beim Lesen Farben und Markierungen gezielt einzusetzen. Z.B. können Sie gelbe Markierungen für wichtige Passagen, Konzepte oder Neuigkeiten verwenden. Grüne Markierungen verwenden Sie für die Kennzeichnung von wichtigen Definitionen und Erklärungen und blaue Markierungen zur Kennzeichnung von Personen, Institutionen oder Daten. Wenn Sie mit fremdem Material, d.h. Büchern oder Texten, die nicht Ihnen gehören, arbeiten, sollten Sie farbige Papiereinlagen verwenden. Sie dienen nicht nur dem Kennzeichnen, sondern auch dem Vermerken von Schlagworten und Verweisen. Auf Höhe interessanter Passagen des Originaltextes können Anmerkungen auf solchen Hilfszetteln notiert werden, sodass später ein schneller Zugriff gewährleistet ist. Außerdem können Sie bei der gleichzeitigen Bearbeitung mehrerer Texte Querverweise anstellen.

2. Dateiablage

Die Ergebnisse Ihrer Recherche müssen dokumentiert werden, d.h. sie sollen so festgehalten werden, dass Sie zu jedem Zeitpunkt ohne großen Aufwand darauf zurückgreifen können - z.B. während des Prozesses des Verfassens einer Hausarbeit, aber auch für in der Zukunft liegende Seminare oder Prüfungen. Hierzu müssen alle Mitschriften, Kopien, Zeitschriftenartikel etc. in Struktur und Ordnung gebracht werden.

2.1 Kategorisieren und Klassifizieren

Wenn Sie von Anfang an Ihre gefunden Quellen kategorisieren und klassifizieren, finden Sie sie später viel leichter wieder und wissen gleich, mit welchem Inhalt Sie rechnen können. Egal, ob Sie Ihre Dateien am Computer organisieren, Inhalte eines Archivs strukturieren oder ein schwieriges Problem analysieren: Kategorisierung und Klassifikation stellen ein Hilfsmittel dar, mit dem Ordnung ins Chaos gebracht werden kann.

Kategorien: Anhand von Kategorien können Informationen thematisch gegliedert werden.

Klassifikationen: Unter einer Klassifikation versteht man die Unterteilung eines Bereiches oder eines Themas in verschiedene Kategorien (Unterbereiche bzw. -themen), die auf Gemeinsamkeiten und Unterschieden gründen. Somit verkörpern Klassifikationen hierarchische Strukturierungen. Es gibt offizielle Klassifikationsschemata, die von Institutionen entwickelt wurden (z.B. Schlagwortkatalog, den Sie bereits kennengelernt haben) und es gibt Ihre eigene Klassifikation bzw. Ihre eigenen Schlagworte oder Tags.

Bei der Entwicklung Ihrer eigenen Klassifikation ist es wichtig, dass Sie darauf achten, dass die gebildeten Gruppen trennscharf sind und das Themengebiet möglichst exakt abdecken. Sie können Ihre gefundenen Informationen beispielsweise alphabetisch, geographisch, chronologisch, thematisch oder nach ihrem Umfang klassifizieren. Um ein schlüssiges, nützliches und auch benutzbares Ergebnis zu erhalten, sollten Sie bei  der Klassifikation jedoch einige Regeln beachten:

Logik

Eine gute Klassifikation muss einen genau definierten Umfang haben und eindeutige hierarchische Ebenen aufweisen. Diese Ebenen folgen je einem Klassifikationsprinzip.

Anwendungsbeispiel:
Bezogen auf das Beispiel Gewaltenteilung in Deutschland wären das die Ebenen Exekutive, Legislative und Judikative.

Nützlichkeit

Zudem muss eine Klassifikation helfen, ein Gebiet besser zu verstehen oder sinnvolle Gruppen zu bilden, die in sich homogen, aber untereinander heterogen sind.

Anwendungsbeispiel:
In unserem Beispiel würde die Ebene Exekutive die Elemente Bundeskanzler, Bundesregierung, Bundesverwaltung und Bundespräsident beinhalten.

Ergonomie

Zudem sollte die Klassifikation nicht zu breit und nicht zu tief sein. Als Faustegel gelten sieben Elemente pro Ebene als Obergrenze. Auch die Namen der Gruppen sollten selbsterklärend, eindeutig und leicht erinnerbar sein.

Anwendungsbeispiel:
Die Ebene zum Thema Gewaltenteilung beinhaltet mit der Judikativen, der Legislativen und der Exekutiven drei Elemente, deren Wortwahl eindeutig gewählt wurde.

Wenn Sie also eine große Menge an Informationen strukturieren wollen, z.B. für eine Hausarbeit über das Thema Gewaltenteilung, können Sie sich an folgender Merkformel orientieren:

Klassifikationsprinzip

Quelle: Reinmann & Eppler, 2008, S. 89

Bei der Entwicklung von Klassifikationen reichen oft schon Stift und Papier aus, um die Ebenen und Gruppen in einer Hierarchie aufzuzeichnen. Alternativ bietet es sich hier an, Powerpoint oder Word zu nutzen.

Wenn Sie Ihr Klassifikationsschema haben, empfiehlt es sich, Ihre gefundenen Quellen immer anhand dieses Klassifikationsschemas zu kennzeichnen. Sie können für die Kennzeichnung entweder die Ordner benennen oder auch im Literaturverwaltungsprogramm Tags bzw. Schlagwörter vergeben. Die Vergabe von selbst gewählten Schlagwörtern bzw. Tags hilft Ihnen nicht nur, die Quellen im Klassifikationsschema zu verorten. Sie können auch mehrere, ergänzende Schlagwörter vergeben, die Ihnen später helfen, den Inhalt der Quelle auf einen Blick zu erfassen.

Egal, was Sie für Ihre Literaturverwaltung verwenden - ob ein Literaturverwaltungsprogramm oder Social Bookmarking - empfiehlt es sich, einigermaßen konsistente Schlagwörter zu vergeben, damit Sie Ihre gesichtete und gefundene Literatur wieder finden und sie gut ordnen können. Welche Vorteile Social Tagging haben kann, haben Sie ja bereits im vorherigen Baustein gelernt.

2.2 Schlagwörter vergeben

Auch wenn Sie sich an den zuvor gegebenen Tipps orientieren, werden Sie am Anfang eher etwas unsystematisch vorgehen. Verwenden Sie lieber zu viele als zu wenige Schlagwörter! Wichtig ist, dass Sie sich die verwendeten Schlagwörter auf einer Liste notieren - die meisten Literaturverwaltungsprogramme speichern die Schlagwörter automatisch und geben Ihnen eine Auswahl an bereits vergebenen Schlagwörtern vor sowie die Möglichkeit, neue Schlagwörter zu vergeben.

Für die Auswahl der Schlagwörter ist es wichtig, dass Sie Wörter wählen, bei denen Sie auch später noch wissen, was sich hinter ihnen verbirgt. Je mehr Sie im Rahmen Ihres Studiums lernen, desto leichter wird es Ihnen außerdem fallen, bestimmte Überkategorien zu bilden oder einzelne Stichwörter zusammenzufassen etc. Vielleicht haben Sie an einer Stelle zu viele Schlagwörter angeführt, sodass hinter einem Schlagwort nur immer eine Quelle zu finden ist. Dann sollten Sie diese Schlagwörter in Überkategorien zusammenfassen. Social Bookmarking oder Social Tagging Programme lösen das ganz einfach - wenn Sie eine Kategorienliste auf Papier führen, müssen Sie diese immer wieder überarbeiten.

Schlagwörter erhalten Sie zum einen, wenn Sie den gefundenen Text lesen (z.B. mit der SQ3R-Methode). Andererseits müssen Sie den Text nicht zwingend gelesen haben. Sie können z.B. aus dem Titel auf den Textinhalt schließen. Neuere Texte (insbesondere Zeitschriftenartikel) haben heute auch schon automatisch Schlagwörter zugewiesen, die meist auf der ersten Seite zu finden sind und von den Autoren vergeben wurden.

2.3 Persönliche Materialablage und Materialdokumentation

Wenn die gefundenen Informationen klassifiziert und geordnet sind, ist es wichtig, die Materialien so abzuheften bzw. auf dem Computer zu speichern, dass sie jederzeit von Ihnen wieder gefunden werden können.

Die Ablage von Informationen ist bei fremdem (z.B. Ausleihe) und eigenem (z.B. Buch in Ihrem Besitz) Material unterschiedlich.

Fremdes Material

Fremdes Material beinhaltet alle Unterlagen, die während oder nach Anfertigung der Arbeit wieder an den Eigentümer zurückgegeben werden müssen, also

  • ausgeliehene Literatur
  • Originalquellen und -belege
  • Bild-, Daten- und Tonträgermaterial

Deren Auswertung ist technisch eingeschränkt, d.h. in entliehenen Büchern dürfen keine Anmerkungen oder Markierungen angebracht werden und Originalbelege können nicht gekennzeichnet werden. Außerdem können Bild-, Daten- und Tonträgermaterial oft nur an bestimmten Orten eingesehen werden.

Empfehlenswert ist deswegen insbesondere bei fremden Quellen die Anfertigung von Exzerpten (siehe dazu Kapitel 8.1) oder die elektronische Erfassung bzw. Abspeicherung der Originale. Dadurch werden diese fremden Quellen zu eigenem Material. Wie Sie die Exzerpte auf Ihrem Computer verwalten, erfahren Sie unter „eigenes Material".

Fremdes Material im Netz kann durch elektronisches Kopieren bzw. durch Download in „eigenes" Material umgewandelt werden. Grenzen ergeben sich durch Gebührenpflichtigkeit oder bei spezifischen Einschränkungen in der Verfügbarkeit. Wenn Änderungen in der Datei vorgenommen werden können, beachten Sie folgende Hinweise:

  1. Dokumentieren Sie alle Veränderungen, Kürzungen oder sonstige Anmerkungen im Text möglichst detailliert.
  2. Speichern und sicheren Sie eine Kopie der Originaldatei separat auf Ihrem Computer und verwenden Sie für Ihre Ordnerstruktur möglichst die zuvor zurecht gelegte Klassifikation, um die Datei auch wieder finden zu können.
  3. Erstellen Sie auch bei eigenen Materialien Exzerpte, sodass Sie sich den Inhalt schneller erschließen können.

Ein derart sorgfältig erstelltes elektronisches Archiv ergänzt die bisher erwähnten Ablageformen und steht letztlich jederzeit zum Zugriff bereit.

Eigenes Material

Dank nahezu uneingeschränkter Kopiermöglichkeiten ist es prinzipiell möglich, von jedem „Fremdmaterial" auch immer eine persönliche Kopie zu besitzen - sei es in digitaler (Datei-) oder in analoger (Papier-) Form. Generell garantiert nur die (vollständige) Kopie des Originals, dass auch zu späteren Zeitpunkten das Material vollständig zur Verarbeitung bereit steht. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass laut Urheberrecht keine vollständigen Bücher kopiert bzw. digitalisiert werden dürfen. Dennoch sollten Sie trotz Kopiermöglichkeiten bei einem langen, komplizierten, aber wichtigen Text Exzerpte anfertigen. Wie bereits erwähnt, zwingt das Exzerpieren den Leser zur kritischen Lektüre und Erarbeitung der wesentlichen Inhalte.

Ordnung auf dem Computer

Wenn Sie elektronische Dateien (Originaldateien oder auch Exzerpte) auf Ihrem Computer verwalten, bietet es sich an:

  1. Eine sinnvolle Ordnerstruktur, in der Sie die Dokumente ablegen, anzulegen. Hier bietet es sich an, zuerst ein Klassifikationsschema (siehe vorhergegangenes Kapitel) zu erarbeiten und danach die Dateien in den neu angelegen Ordnern abzulegen. So finden Sie die entsprechende Datei schnell wieder. Wenn Sie zusätzlich zum elektronischen Dokument auch einen Ausdruck angefertigt haben, notieren Sie sich auf dem Ausdruck den Ordnernamen, in dem das Dokument abgelegt wurde und ggfs. die Internetadresse, von der Sie das Dokument bezogen haben.
  2. Wenn Sie ein Literaturveraltungsprogramm verwenden, können Sie in diesem Programm den Ort der Datei und den Link zur im Internet befindlichen Originalquelle abspeichern. Arbeiten Sie noch nicht mit einem Literaturverwaltungsprogramm, ist es umso wichtiger, sich die Links von gefundenen Internetdokumenten zu notieren. Bspw. in einer .txt-Datei, die immer mit der Originaldatei abgelegt wird, in einer zentralen Datei (z.B. Word- oder Excel-Datei) oder im Dokument selbst, wenn Sie über ein Programm verfügen, mit dem man .pdf-Dateien bearbeiten kann.
  3. Benennen Sie die Dokumente einheitlich. Z.B. können Sie die gewählte Klassifikation in den Dokumentenamen sowie die Abkürzung des Titels und eventuell Autorennamen. Dies ermöglicht es Ihnen, die Dateien notfalls auch mit der Suchfunktion wieder zu finden. Beispiele für eine konsistente Benennung sind:

Klassifikationsname_Titelabkürzung_(Autoren, Jahr).doc

Zum Beispiel: Informationskompetenz_Bedeutung-an-der-Hochschule_(Heinze, 2008).doc

Wenn Sie die Exzerpte in Word (und nicht im Literaturverwaltungsprogramm) erstellen und die Dateien mit ablegen wollen, bietet sich diese Bennennung an:

Klassifikationsname_Titleabkürzung_Exzerpt_(Autoren, Jahr).doc

Zum Beispiel: Informationskompetenz_Bedeutung-an-der-Hochschule_Exzerpt_(Heinze, 2008).doc

Sie können die Dokumente auch durchnummerieren, d.h. immer eine Zahl vorne in den Dokumentnamen einfügen, sodass eine logische Struktur entsteht. Wenn Sie eine alphabetische Reihung bevorzugen, bietet es sich hingegen an, dass Sie den Autorennamen als ersten Teil des Dokumentnamens einfügen, sodass sich die Dateien automatisch alphabetisch sortieren.

Wie Sie die Dateien letztendlich benennen, bleibt Ihnen selbst überlassen. Jedoch sollten Sie darauf achten, dass Sie ein einheitliches Benennungssystem verwenden, welches Ihnen hilft, die Dateien wieder zu finden.

Ordnung in den Aktenordnern

Für die systematische Ablage eigenen, ausgedruckten oder kopierten Materials eignen sich Aktenordner im DIN-A-4-Format. Im Folgenden wird Ihnen erklärt, welche Punkte bei der Materialablage in Ordnern zu beachten sind:

  1. Soweit das Material gelocht werden kann, findet es unmittelbar Platz im Ordner. Heften Sie anderes Material (z.B. CDs, Fotos) mit Hilfe von Klarsichthüllen ein.
  2. Fassen Sie thematisch zusammengehörende Unterlagen entsprechend der entwickelten Klassifikation mit Hilfe von gelochten Schnellheftern, Einhefthaken oder -taschen zusammen und heften Sie diese anschließend in einen der Aktenordner ein.
  3. Hilfreich sind besonders numerisch, alphabetisch oder an der Klassifikation orientierte Register in verschiedenen Formen und Farben.
  4. Empfehlenswert sind zudem informative Beschriftungen der Rückseiten sowie Kennzeichnungsmittel wie Pfeile, Punkte, etc. Insgesamt sind Ihnen bei der Erweiterung und Verarbeitung aber nahezu keine Grenzen gesetzt.

Wenn Sie kein Literaturverwaltungsprogramm verwenden oder dieses nur in eingeschränkter Form nutzen, können Sie für die Abheftung der Kopien und Ausdrucke selbst erstellte (PC-)Formulare verwenden. Entwickeln Sie für die Literaturanalyse ein eigenes Formular. Dank dem Einsatz eines gelungenen Musterformulars sind vollständige und vergleichbare Daten garantiert.

3. Inhaltliches Ordnen und Strukturieren

Um eine Struktur in die gefundenen Informationen zu bringen bzw. ein Klassifikationsschema zu entwerfen, bietet es sich an, Hilfsmittel heranzuziehen. Insbesondere sind solche Programme oder Methoden zu empfehlen, die eine mögliche Struktur visualisieren können. Zwei Methoden möchten wir Ihnen hier vorstellen:

3.1 Mindmaps

Mindmapping hilft Ihnen dabei, Ideen zu entwickeln und zu strukturieren. Z.B. können Sie Mindmapping anwenden, um ein Klassifikationsschema für Ihre gefundenen Quellen zu entwickeln. Per Definition versteht man unter Mindmaps eine Visualisierungsmethode, bei der Informationen hierarchisch mittels Stichworten auf Ästen strukturiert werden. Im Zentrum der Mindmap steht das zentrale Thema, von dem aus mehrere dicke Äste abzweigen und sich immer weiter verästeln. Im Gegensatz zu Conceptmaps (nachfolgendes Kapitel) werden hier die Beziehungen zwischen den Begriffen nicht beschriftet. In der Abbildung sehen Sie ein Beispiel für eine Mindmap zum Thema Werbung, die einmal mit PowerPoint und einmal mit dem Tool Freemind erstellt wurde:

Mindmap Werbung

Mindmap

 

Mindmaps kann man ganz einfach mit Blatt und Papier erstellen, aber es gibt auch verschiedene Programme, die dabei helfen, eine solche Map auf dem Computer zu erstellen (z.B. Freemind). Durch die Möglichkeit, Links zu anderen Map-Einträgen zu setzen, kann die Mindmap in ihrer elektronischen Form für die strukturierte Ablage und Organisation eigener Dokumente, Notizen und Websites etc. verwendet werden.

Wichtig ist, dass Sie bei der Erstellung von Maps auf die vielfältigen Möglichkeiten, die sich durch die Verwendung unterschiedlicher Farben, Symbole oder Verbindungspfeilen bieten, zurückgreifen und diese verwenden, um die Mindmap besser zu strukturieren.

3.2 Conceptmaps

Conceptmaps ähneln Mindmaps, jedoch verfolgen sie ein anderes Ziel: Sie dienen vor allem dazu, komplexe Themen besser zu verstehen und auch selbst neue Wissenskonzepte zu entwickeln (also zu lernen) und Zusammenhänge sichtbar zu machen.

Um die Vorteile, die Conceptmaps gegenüber Mindmaps bieten, zu nutzen, sollten bei der Erstellung von Conceptmaps einige wichtige grundlegende Regeln, Vorgehensschritte und Gütekriterien beachtet werden (Reinmann & Eppler, 2008, S. 109):

Folgende Regeln müssen beachtet werden:

  1. Eine Conceptmap besteht aus Kästchen (auch Container) und Pfeilen (= Knoten und Kanten).
  2. Kästchen enthalten ein Konzept, also ein Nomen oder Substantiv.
  3. Die Verbindungspfeile werden mit Verben (z.B. bedingt) oder Präpositionen (z.B. durch) beschriftet. Durch die Verbindung von Kästchen und Pfeilen entstehen Aussagen.
  4. Eine Conceptmap ist in Spalten eingeteilt. Diese Spalten beginnen mit bestimmten Konzepten und enden meist mit konkreten Beispielen zu einem Konzept am unteren Ende der Spalte.
  5. Liest man eine Spalte von oben nach unten, so sollten Sätze entstehen.
  6. Die Spalten erlauben jedoch auch Querverbindungen, damit die Informationen miteinander verknüpft werden können.

Wenn Sie das erste Mal eine Conceptmap erstellen, folgen Sie diesen Schritten:

  1. Formulieren Sie eine Fokusfrage (ein Thema), von der die Conceptmap ausgehen soll.
  2. Identifizieren Sie die Konzepte, die relevant sind, um die Fokusfrage beantworten zu können. Schreiben Sie diese in Listenform auf.
  3. In einem nächsten Schritt versuchen Sie, die Begriffe der Liste in eine Reihenfolge zu bringen. Sie starten dabei mit dem abstraktesten Begriff und führen die Liste fort bis zu einem sehr konkreten Begriff (z.B. ein Anwendungsbeispiel).
  4. Nun verbinden Sie diese neue Reihenfolge an Begriffen durch Verbindungspfeile. Die Pfeile sollten eine Beschriftung tragen und somit die Beziehung zwischen zwei Kästchen verdeutlichen.
  5. Die Conceptmap sollte mehrfach überarbeitet werden, bis sie konsistent und übersichtlich ist. Dazu müssen Sie vielleicht Kästchen verschieben bis die Verbindungen stimmen.
  6. Versuchen Sie nun, Querverbindungen zwischen den Spalten der Conceptmap herzustellen, falls dies nicht schon während der vorherigen Schritte geschehen ist. Überlegen Sie sich hier gut, wie Sie die Verbindungen bezeichnen wollen.

Ein Beispiel für eine Conceptmap sehen Sie hier. Die Conceptmap thematisiert die Verbesserung von Arbeits- und Problemlöseprozessen in Unternehmen mit Hilfe von Wissensmanagement-Werkzeugen. Zum Vergrößern der Grafik einfach auf die Vorschau klicken.

Conceptmap

Conceptmaps können Sie nicht nur mit Papier und Bleistift erstellen, sondern es gibt auch diverse kostenfreie Programme, die Sie downloaden und installieren können. Ein Programm, das häufig verwendet wird, ist "CMaps", das Sie sich unter http://cmap.ihmc.us/ downloaden können. Dort wird Ihnen auch genau erklärt, wie Sie das Programm installieren.

In diesem kurzen Film wird Ihnen gezeigt, wie Sie das kostenfreie Tool „CMaps" verwenden können, um ein Cluster zu erstellen und mehr Struktur in Ihr Cluster zu bringen (Dauer: 2:48 min.):

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"CMaps" produziert von Tanja Kranawetleitner und Julia Röhrich.

4. Zusammenfassung & weiterführende Literatur

Zusammenfassung

In diesem abschließenden Kapitel des Studientextes Informationskompetenz haben Sie verschiedene Möglichkeiten kennen gelernt, wie Sie Ihre gefundenen Quellen strukturieren und organisieren können, damit Sie sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder auffinden. Sie haben gelernt, wie Sie sich einen Text erschließen und seinen Inhalt im Anschluss mit Schlagwörtern klassifizieren und in ein Kategorien- und Klassifizierungsschema einordnen. Außerdem sollten Sie nun eine Vorstellung darüber besitzen, wie Sie Ihre Materialien auf dem Computer und in Papierform so verwalten, dass Sie sie immer wieder finden und korrekt zitieren können.

Mit diesem Kapitel sind wir am Ende des Grundkurses Informationskompetenz. Wir hoffen, die Kursteilnahme hat Ihnen einige Arbeitstechniken näher gebracht, die Ihnen in Zukunft den Arbeitsalltag erleichtern und die Ihnen helfen, besser wissenschaftlich zu arbeiten. Der Studientexte endet damit, wie Sie Quellen richtig dokumentieren und abheften. Im tatsächlichen Studentenleben fängt an diesem Punkt die Arbeit erst richtig an: Sie müssen nun aus den Quellen einen Text formulieren (z.B. eine Hausarbeit schreiben oder ein Referat erstellen). Wie Sie in diesen Fällen vorgehen, lernen Sie entweder in Tutorien Ihres Studienfaches oder Sie können das Online-Seminar der virtuellen Hochschule Bayern „Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens" besuchen.

Auch unsere Ausschnitte aus dem Studienalltag enden mit einer ähnlichen Situation:

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"Dein Studienalltag Teil 5" produziert von Tanja Kranawetleitner, Julia Röhrich und Stefanie Erhard

 

Symbol Buch Literaturtipp

Sesink, W. (2010).Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten (8. vollst. überarbeitete und aktualisierte Auflage). Kapitel 7. München: Oldenbourg.

Symbol Maus Linktipp

Stangl, W. (2010). Umgang mit schwierigen Texten: Ein Leitfaden. Verfügbar unter: http://www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/LERNTECHNIK/Textarbeit.shtml

5. Zitierte Literatur

Reinmann, G. & Eppler, M. J. (2008). Wissenswege. Methoden für das persönliche Wissensmanagement. Bern, Göttingen, Toronto, Seattle: Verlag Hans Huber.

Sesink, W. (2010). Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten (8. vollst. überarb. und aktual. Aufl.). München: Oldenbourg Verlag.

Selbsttest-Aufgaben Baustein IX

Mit Hilfe dieser Selbsttest-Aufgabe können Sie noch einmal überprüfen, ob Sie die wichtigsten Inhalte aus dem Baustein IX mitgenommen haben. Versuchen Sie zuerst, die Aufgabe selbst zu lösen. Wenn Sie auf „Lösung" klicken, können Sie die Beispiellösung mit Ihrer eigenen Lösung vergleichen.

 

1. Wofür steht SQ3R?

Lösung (hier klicken, um Beispiellösung angezeigt zu bekommen):
Survey, Question, Read, Recite, Review.

 

2. Worin liegt der Unterschied zwischen Kategorisieren und Klassifizieren?

Lösung (hier klicken, um Beispiellösung angezeigt zu bekommen):
Unter Kategorisieren versteht man thematische Gliederung von Informationen, unter Klassifizieren die Unterteilung eines Bereiches oder eines Themas in verschiedene Kategorien.

 

3. Eine Visualisierungsmethode, bei der Informationen hierarchisch strukturiert und Zusammehänge sichtbar gemacht werden, ist:

a. Mindmapping
b. Freeminding
c. Conceptmapping

Lösung (hier klicken, um Beispiellösung angezeigt zu bekommen):

c

 

4. Wählen Sie einen Ordner auf Ihrem Computer aus, der viele Dokumente (Quellen) enthält. Z.B. einen Ordner, den Sie für eine Hausarbeit, ein Referat oder Ihre Facharbeit angelegt haben. Versuchen Sie, diese Dokumente zu ordnen und einheitlich zu benennen.