Baustein VII: Quellen bewerten

Während der Recherche haben Sie sicher einiges an Literatur gefunden. Sie müssen jetzt überlegen, was davon für Ihr Thema geeignet ist und ob die Qualität der Publikation ausreicht, um in einer wissenschaftlichen Arbeit verwendet zu werden. In diesem Kapitel finden Sie ein paar Kriterien für die Bewertung von Werken.

Dauer des Kapitels: ca. 30 min.

Warum die Qualitätsbewertung im wissenschaftlichen Arbeiten so wichtig ist, sagt Ihnen Frau Prof. Eilders (Professur für Kommunikationswissenschaft) in einem kurzen Video (Dauer: 1:15 min.):

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"Tipps Prof. Eilders" produziert von Michael Hallermayer und Eva Ingold

1. Auswahl bei der Recherche

Die erste Entscheidung, welche Literatur evtl. in Frage kommt, treffen Sie bereits bei der Recherche im OPAC oder in Datenbanken. Dort finden Sie formale Angaben wie Autor, Titel oder Verlag, die Ihnen bei der Entscheidung helfen können. Häufig sind auch das Inhaltsverzeichnis oder ein Abstract gespeichert, die Ihnen ebenfalls weiterhelfen. Stellen Sie sich folgende Fragen bei der Begutachtung Ihrer Treffer:

Autor

  • Kenne ich den Herausgeber/ Autor? Habe ich schon Werke von ihm/ ihr gelesen?
  • Hat mein Dozent den Autor schon einmal erwähnt?
  • Wird der Autor in anderen (guten) Werken zitiert?
  • Hat der Autor eine wissenschaftliche Ausbildung / akademischen Titel?
  • Arbeitet der Autor in einer wissenschaftlichen Institution?

Quelle/ Verlag

  • Ist der Aufsatz in einer Fachzeitschrift / wissenschaftlichen Publikation erschienen?
  • Ist der Verlag bekannt für wissenschaftliche Publikationen?
  • Welchen Ruf und welche Qualifikation hat der Verlag?

Aktualität

  • Wann ist die Publikation erschienen? Ist sie noch aktuell?
  • Gibt es eine neuere Auflage?
  • Ist es sinnvoll, eine ältere Auflage zu verwenden?
  • Handelt es sich um einen Klassiker?

Inhaltsverzeichnis / Abstract

  • Wie sieht das Inhaltsverzeichnis aus? Ist es logisch aufgebaut?
  • Werden Schlüsselwörter zum Thema genannt?

Schlagwörter

  • Sind die für mein Thema relevanten Schlagwörter genannt?

Signatur (bei der OPAC-Suche)

  • Welche Signatur hat das Werk?
  • Fällt die Systematikstelle in mein oder ein verwandtes Fachgebiet?

2. Auswahl am Regal

Der nächste Schritt ist, dass Sie in der Bibliothek ans Regal gehen und das Werk genauer anschauen. Jetzt sollten Sie Ihr Augenmerk richten auf:

die Aktualität

  • Berücksichtigt der Autor den aktuellen Forschungsstand?

den Inhalt

  • Welche Intention verfolgt der Autor mit diesem Werk? (Einleitung lesen)
  • Wird eine Zielgruppe benannt?
  • Wie umfangreich und aktuell ist die Literaturliste?
  • Werden in der Literaturliste die einschlägigen Autoren zum Thema genannt?
  • Welche Sprache wird verwendet?
  • Wie genau sind die Angaben?
  • Wie objektiv ist die Darstellung?

Lesen Sie dafür den Klappentext und das Inhaltsverzeichnis. Beide können Sie auch über den elektronischen Katalog erreichen. Klicken Sie bei Ihrem Suchergebnis einfach auf den Reiter „mehr zum Titel". Hier können Sie meist ein Inhaltsverzeichnis oder einen Klappentext ansehen (als pdf-Dokument). Oder Sie lesen sich das Vorwort im Buch selbst durch und blättern ein bisschen. So erfahren Sie, ob und welche Kapitel für Sie in Frage kommen, in welchem Stil der Autor schreibt und ob es Grafiken, Schaubilder, Tabellen usw. gibt.

3. Bewertungskriterien für Internetquellen

Das Internet ist ein Sonderfall, weil hier jeder nach Belieben veröffentlichen kann. Deshalb sollten Sie besonders vorsichtig sein. Viele der oben genannten Kriterien gelten auch für Internetdokumente, es kommen jedoch noch weitere wichtige Bewertungskriterien dazu.

Autor

  • Ist der Autor des Textes angegeben? Gibt es ein Pseudonym, das jedoch eindeutig einem Autor zugewiesen werden kann?

URL/ Adresse der Seite

  • Von wem wurde die Internetseite veröffentlicht? Handelt es sich um die offizielle Publikation einer Organisation? Sind Kontaktdaten (Adresse, Telefonnummer) angegeben?
  • Lässt der Servername auf den Namen einer Behörde, Firma oder öffentlichen Institution schließen? (Rückschlüsse auf die Zuverlässigkeit der Informationen)

Veröffentlichungszweck

  • Mit welchem Hintergrund wurde die Information veröffentlicht?
  • Welche Zielgruppe soll angesprochen werden?

Äußere Aufmachung

  • Ist die Aufmachung der Seite seriös (Farbe, Layout, Gestaltung)?
  • Welche Sprache wird verwendet?
  • Ist auf der Seite Werbung zu finden? Welche? Ist sie deutlich vom Text getrennt?

Aktualität und Kontinuität

  • Wann wurde die Seite zuletzt inhaltlich überarbeitet?
  • Welchen Stand haben die Informationen?
  • Ist die Internetseite längerfristig verfügbar?

Schreibstil

  • Ist das Dokument sachlich, neutral und objektiv geschrieben?
  • Werden sprachliche Mittel benutzt, um den Leser zu beeinflussen?
  • Ist die Seite sprachlich korrekt?

Inhalt/ sachliche Richtigkeit

  • Lassen sich die Aussagen überprüfen?
  • Ist die Information plausibel oder stimmt sie mit Informationen aus anderen Quellen überein?
  • Auf welche Quellen wird verwiesen, welche werden zitiert?
  • Wohin führen die Links?

Referenzen

  • Gibt es andere Dokumente, die sich auf das gefundene Dokument beziehen?
  • Von welchen Seiten wird auf die gefundene verlinkt?
  • Verweist das Dokument auf andere Quellen?
  • Funktionieren die Links und sind sie aktuell?
  • Gibt es Kommentare von anderen Nutzer (bezügl. Qualität, Zuverlässigkeit,...)?


Anhand dieser Kriterien können Sie Ihre Quellen hoffentlich etwas einschränken. Leider wissen Sie erst, wenn Sie das Werk wirklich gelesen haben, ob Sie es für Ihre Arbeit verwenden können.

Und noch ein Tipp: Bei ausführlichen wissenschaftlichen Publikationen sollten Sie genau überlegen, ob Sie wirklich das ganze Werk lesen müssen. Oft wird es ausreichen, wenn Sie die wirklich geeigneten Kapitel raussuchen.

4. Urheberrecht & Plagiatsfrage

Jedes geistige Eigentum, etwa ein Buch oder eine Internetseite, ist urheberrechtlich geschützt. Damit Sie das Urheberrecht nicht verletzen, müssen Sie bei der Erstellung einer wissenschaftlichen Arbeit (z.B. Hausarbeit, Referat) darauf achten, dass Sie keine Inhalte aus anderen Arbeiten übernehmen ohne diese zu kennzeichnen. Gerade in den Zeiten des Internets kommt es immer häufiger vor, dass Plagiate abgegeben werden - denn sie sind nur einen Mausklick entfernt und können einfach per Copy & Paste in die eigene Arbeit übertragen werden. In Studien hat man zudem herausgefunden, dass viele Studierende das Kopieren von Texten aus dem Internet als weniger schwerwiegend einschätzten, als das Kopieren von Texten aus Büchern. Wenn Sie in der Universität ein Plagiat abgeben, wird der Kurs i.d.R. als nicht bestanden gewertet und es können rechtliche Konsequenzen auf Sie zukommen (z.B. Exmatrikulation).

Grundsätzlich kann man verschiedene Formen von Plagiaten unterscheiden:

  1. Wenn der gesamte Text übertragen wurde („Copy und Paste Totalplagiat").
  2. Wenn einzelne Sätze übernommen und nur leicht angepasst wurden (z.B. die Substantive durch Synonyme ersetzt), ohne dass die Quelle angeführt wurde („Patchwriting") oder (Teil-)Sätze aus verschiedenen Quellen zu neuen Sätzen kombiniert wurden („Shake and Paste").
  3. Wenn die Struktur einer anderen Arbeit übernommen wurde, aber eigene Inhalte produziert wurden („Strukturplagiat").
  4. Wenn die Zitationsregeln falsch angewendet werden.

Im Internet finden sich inzwischen zahlreiche Informationen zu Plagiaten und auch Analysen von wissenschaftlichen Arbeiten hinsichtliche Plagiaten. Auf ZEIT-Online ist eine dieser Analysen zu finden (siehe Zitierte Literatur). Sie erläutert verschiede Formen von Plagiaten an anschaulichen Beispielen aus einer Dissertation.

Egal welche Form des Plagiats vorkommt, es handelt sich dabei immer um die Verletzung des Urheberrechts des Verfassers. Unter §1 UrhG steht, dass die Urheber von Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst für ihre Werke Schutz nach Maßgabe dieses Gesetzes genießen. In der Praxis bedeutet das für Sie:

  • Obwohl nur der Urheber das Vervielfältigungsrecht hat, ist es Ihnen erlaubt, einzelne Seiten eines Werkes zum eigenen wissenschaftlichen Gebrauch herzustellen (gemäß §53 Abs. 2 Nr.1 UrhG). Sie dürfen dementsprechend Kopien machen, soweit Sie nicht das ganze Buch kopieren und das nur zum eigenen Gebrauch verwenden.
  • Es ist Ihnen auch erlaubt, ein Buch zum eigenen Gebrauch zu digitalisieren, wenn es sich um ein seit mindestens 2 Jahren vergriffenes Werk handelt (gemäß §53 Abs.4b UrhG), das vom Verlag nicht mehr geliefert werden kann.
  • Es besteht die Möglichkeit, dass der Dozent ein Buch oder Teile eines Buchs einscannt und auf eine passwortgeschützte Lernplattform stellt. Dies ist gemäß §52a Abs.1 Nr.2 UrhG über öffentliche Zugänglichmachung für Unterricht und Forschung erlaubt, soweit es sich um „kleine Teile eines Werkes für Unterricht und Forschung" und einen beschränkten Teilnehmerkreis (z.B. Seminarteilnehmer) handelt.

5. Open Access

Die Quellen und Bücher, die Sie bei der Recherche für Ihr Referat oder Ihre Hausarbeit finden werden i.d.R. (sofern es sich um wissenschaftliche Literatur handelt) von Forschungseinrichtungen (z.B. Universitäten) veröffentlicht und basieren auf intensiven Literaturstudien und empirischer Forschung. Ihnen steht häufig eine große Vielfalt an Publikationen zu einem Thema zur Verfügung. Doch warum ist das so und wie funktioniert der wissenschaftliche Publikationsprozess? In diesem Teil des Kapitels lassen wir Sie hinter den Vorhang schauen und nehmen Sie mit auf einen kleinen Exkurs, bei dem Sie einen anderen Blickwinkel auf die Publikationen einnehmen können.

In der wissenschaftlichen Praxis existieren bestimmte (häufig unausgesprochene) Regeln, an die man sich als Forscher halten soll. Diese Regeln möchten wir hier kurz darlegen:

  • publish or perish (publiziere oder gehe zu Grunde): Wenn man als Wissenschaftler nichts veröffentlicht, so ist man in der scientific community nicht bekannt. Mit einer Veröffentlichung kann man zeigen, was man kann und sich in der wissenschaftlichen Community etablieren. Dabei ist die Publikation umso wertvoller, umso renommierter der Verlag oder umso höher die Zeitschrift gerankt ist. Der berufliche Erfolg für einen Wissenschaftler ist also u.a. von der Anzahl und der Qualität seiner Publikationen abhängig.
  • Peer Review: Über die Qualität der Publikation entscheidet nicht der Verlag, sondern andere renommierte Wissenschaftler (Experten) des Fachgebiets. Diese Experten (Peer-Reviewer) verfassen ein Gutachten zur Qualität des Artikels und können somit beeinflussen, ob ein Text schlussendlich veröffentlicht wird, oder nicht. Bei Peer-Review Verfahren unterscheidet man das single-blind und das double-blind Verfahren. Am häufigsten trifft man auf das double-blind Verfahren, bei dem weder der Autor noch der Gutachter die gegenseitigen Namen kennen. Beim single-blind Verfahren erfährt der Gutachter den Namen des Autors und kann so Erfahrungen und Meinungen zum Autor mit ins Gutachten einfließen lassen. In Deutschland wenig verbreitet ist (noch) das öffentliche Begutachtungsverfahren, bei dem Reviewer und Gutachter voneinander wissen. Der Ablauf eines Peer-Review-Verfahrens gestaltet sich ungefähr wie folgt:
  1. Zeitschrift gibt einen Call for Papers (Aufruf zur Einreichung von Artikeln) heraus oder der Autor wird direkt von den Herausgebern bzw. von einem Verlag angesprochen.
  2. Der Autor verfasst seinen Artikel oder sein Buch nach den Vorgaben und Vorstellungen des Verlags (dazu gehören auch formale Vorgaben) und gibt ihn ab.
  3. Der Herausgeber sucht unabhängige (meist anonyme) Gutachter.
  4. Die Gutachter werden für ihre Arbeit meistens nicht bezahlt, was eine objektive und faire Kritik zum Werk fördern soll.
  5. Das Gutachten entscheidet darüber, ob der Text veröffentlicht werden kann und welche Nachbesserungen noch gemacht werden müssen. Diese werden an den Autor zurückgespiegelt, welcher den Text überarbeitet und wieder an den Herausgeber sendet.

Vorteil: Die Publikationen mit Peer Review haben einen besseren Ruf.

Nachteil: Es kann lange dauern, um einen qualifizierten und unabhängigen Begutachter zu finden. Auch die unerwartete negative Kritik zum Werk ist nicht auszuschließen.

Wer ein wissenschaftliches Weiterkommen anstrebt, muss nicht nur regelmäßig, sondern auch in den Zeitschriften mit einem hohen journal impact factor (JPF) publizieren. Der Journal Impact Factor hilft, die einflussreichen und prestigeträchtigen Journale von den weniger renommierten zu unterscheiden. Er berechnet sich folgendermaßen:

Zahl der Zitate im Bezugsjahr auf die Artikel der vergangenen zwei Jahre
Zahl der Artikel in den vergangenen zwei Jahren

Die Anzahl der Zitate wird als Indikator für die Popularität der Zeitschrift verwendet.

5.1 Zeitschriftenkrise

Mitte der 1990er Jahre entstand ein Phänomen, das die wissenschaftliche Publikationslandschaft bis heute prägt: die Zeitschriftenkrise. Mehrere Wissenschaftsverlage erhöhen in dieser Zeit die Preise für Fachzeitschriften. Die Bibliotheken, die Hauptabnehmer der Fachzeitschriftenabonnements sind, bestellen aus Budgetmangel viele Fachzeitschriftenabonnements ab. Aufgrund der fehlenden Nachfrage erhöhen die Verlage die Preise erneut und schränken so den Zugriff auf aktuelle Forschungsergebnisse (die sich vorwiegend in Fachzeitschriften finden) stark ein.

5.2 Elektronisches Publizieren

Mit der Verbreitung des Internets Anfang der 1990er Jahre entwickelt sich ein neues Publikationsmedium, das die Zeitschriftenkrise nachhaltig beeinflusst. Elektronisches Publizieren, also die Veröffentlichung von Werken in elektronischer Form, etabliert sich. Dies ist auch die Grundlage für die Open Access-Bewegung, die fordert, dass es freien Zugang zu Ergebnissen öffentlich finanzierter Forschung über das Internet geben sollte. Im Jahr 2000 wird daher öffentlich dazu aufgerufen, die Zeitschriften zu boykottieren, die ihre Artikel nicht sechs Monate nach der Veröffentlichung frei zugänglich machen. Da diese Forderung wenig Auswirkungen zeigt, werden Open-Access Zeitschriften gegründet. Momentan gibt es zwei Strömungen in der Open Access Bewegung:

1.    Golden Road - freier Zugriff auf die Artikel spätestens sechs Monate nach Veröffentlichung

Bei der Golden Road entscheiden sich Zeitschriften bewusst dafür, ihre Ausgaben sechs Monate nach der Veröffentlichung frei zugänglich zu machen. Dieses Modell ermöglicht die Sicherstellung der Qualität der Publikationen durch Peer-Review, d.h. es findet nach wie vor eine Qualitätskontrolle statt.

Durch den freien Zugang nach sechs Monaten entfallen den Verlagen aber wichtige Einnahmen (Abonnements durch Bibliotheken). Deshalb findet sich hier häufig das Modell, dass Autoren (bzw. die Institutionen, bei denen sie angestellt sind) für die Veröffentlichung zahlen müssen. Wenn der Autor keine finanzielle Unterstützung hat, wird das Werk nicht bei OA-Zeitschriften veröffentlicht. Das heißt, Sie bekommen den freien Zugriff zu den Werken nur von denjenigen Autoren, die Open Access für sich finanziell ermöglichen können.

Beispiele für Open Access Zeitschriften (Golden Road): Public Library of Science -  PLoS (mehr Informationen können Sie unter Open Access von PLoS nachlesen) und BioMed Central - BMC (ist ein kommerzieller Online-Verlag für Biologie, Medizin, Chemie und PhysMathematik) und das European Educational Research Journal.

2.    Green Way - Wissenschaftler stellen ihre Werke selbst online

Bei Ihrer Recherche im Internet sind Sie sicher auf PDF-Dateien gestoßen, die vom Autor frei zugänglich ins Internet gestellt wurden. Diese Veröffentlichungen von Pre- oder Postprints laufen meist unter dem Label des „Selbst-Archiving", d.h. dass der Urheber eines Werkes sein Werk selbst archiviert, auch wenn er die Nutzungsrechte an den Verlag abgetreten hat. Der Green Way entstand ursprünglich dadurch, dass der Zeitraum vom Verfassen des Artikels bis zur Veröffentlichung manchmal extrem lang dauert (aufgrund der Gutachten und aufgrund anderer, sich verzögernder Artikel). Deswegen gingen Wissenschaftler dazu über, ihre Artikel vorab als Preprint-Versionen online zugänglich zu machen. Heute hat sich diese Form der elektronischen Publikation etabliert und Hochschulen verfügen über Dokumentenserver, die allein diesem Zweck dienen (Publikationsserver der UB Regensburg).

5.3 Gegenbewegung

Der Open Access-Gedanke ist gerade in europäischen Ländern noch umstritten, wie man in dieser Grafik zu OA-Veröffentlichungen erkennen kann.

Verteilung von Open Access

Internationale Verteilung von Open Access-Zeitschriften in absoluten Zahlen. Quelle: DOAJ, 2009, zit. nach Weishaupt, 2009, S. 4.

 

Nach wie vor finden sich - sowohl unter Autoren als auch unter Verlagen - heftige Gegner des Ansatzes. Insbesondere die Verlage haben sich lange gegen eine Öffnung des Zeitschriftenmarktes gewehrt indem sie Buy-Out-Verträge einsetzten, die eine Zweitveröffentlichung (sprich eine Pre- oder Postprint Veröffentlichung) durch den Autor unmöglich machen. Open Access-Zeitschriften werden von Autoren kritisch betrachtet, da mit dem Open Access-Gedanken eine Minderung der Qualität der Veröffentlichungen assoziiert wird (z.B. durch fehlendes Peer-Review) und die OA-Zeitschriften selten über einen so hohen Impact Factor verfügen wie traditionelle Zeitschriften.

Mittlerweile gibt es Zeitschriften, die nur noch online publizieren und keine Printversion drucken lassen. Vermehrt ermöglichen die Verlage auch eine zusätzliche Veröffentlichung als Pre- oder Postprint durch die Autoren (ca. 68 % der Verlage). Immer mehr Verlage bieten zudem die Veröffentlichung eines Buches in „Hybridform" an, d.h. als gedruckte Auflage sowie als Online-Version.

Für Sie als Studierende hat der Open Access Ansatz den Vorteil, dass sie schnellen, einfachen und freien Zugang zu aktuellen wissenschaftlichen Informationen erhalten.

Mehr Informationen zu Open Access und Repositorien können Sie auch auf dieser Informationsplattform finden.

6. Zusammenfassung & weiterführende Literatur

Zusammenfassung

Nachdem Sie diesen Baustein durchgearbeitet haben, wissen Sie, welche Leitfragen bei der Bewertung einer Quelle nützlich sind. Dabei gibt es Fragen, die sie noch bei der Recherche in einer Datenbank stellen können, aber auch solche die Ihnen direkt am Bücherregal in der Bibliothek bei der Bewertung helfen. Zudem haben Sie Bewertungskriterien für Internetquellen kennen gelernt und wissen, dass es bei diesen Quellen besonders wichtig ist auf die Qualität zu achten, da hier prinzipiell jeder publizieren kann. Obwohl die Auswahl an Texten groß und die Weiterverwendung nahezu unbeschränkt scheint, sollten Sie sich nicht zu einem Plagiat verleiten lassen, denn damit verstoßen Sie in den meisten Fällen gegen das Urheberrecht.

In einem kleinen Exkurs haben Sie zudem das Open Access - Prinzp näher kennengelernt. Nach wie vor gibt es zu diesm Prinzip eine heftige wissenschaftliche Diskussion und eine Lösung ist noch nich in greifbare Nähe gerückt. Der Studientext, den Sie gerade lesen, wurde unter diesem Prinzip verfasst und steht anderen Lehrenden als Open Educational Ressource zur Verfügung.

Symbol Buch Literaturtipp

Sattler, S. (2007). Plagiate in Hausarbeiten Erklärungsmodelle mit Hilfe der Rational-choice-Theorie. Hamburg.

Weishaupt, K. (2009). Überblick zum goldenen Weg zu Open Access in Deutschland und international. cms-journal, 32, 24-28. Verfügbar unter: http://edoc.hu-berlin.de/docviews/abstract.php?lang=ger&id=29787

Symbol Maus Linktipp

i-rights (2010). Urheberrecht in der digitalen Welt. Verfügbar unter: http://irights.info/

Kuhn, H.C. (2010). Umgang mit und Auffinden von Internetquellen. Verfügbar unter: http://www.phil-hum-ren.uni-muenchen.de/LV/hckKurs01s/T13INqUmg.htm

Gersmann, G. (18.02.2009). Wer hat Angst vor Open Access? FAZ. Verfügbar unter: http://www.faz.net/s/RubC3FFBF288EDC421F93E22EFA74003C4D/Doc~E033233EFFF424107AAD231C7B393E17E~ATpl~Ecommon~Scontent.html

7. Zitierte Literatur

Veddern, M. (2004) Multimediarecht für die Hochschulpraxis (2. überarbeitete und erweiterte Auflage). URL: https://bildungsportal.sachsen.de/e135/e1485/e1549/doku/ratgeber/ratgeber_multimediarecht.pdf (06.05.2010)

Schiefner, M. (2010). Wissenschaftliche Redlichkeit im Zeichen der Zeit - Hochschuldidaktische Perspektiven im Umgang mit Plagiaten. In: B. Behrend, H.-P. Voss & J. Wildt. (Hrsg.), Neues Handbuch Hochschullehre. (S. 1-22). Berlin: Raabe Verlag.

Spindler, G. (2006). Rechtliche Rahmenbedingungen von Open Access-Publikationen. Göttingen: Universitätsverlag Göttingen.

Weishaupt, K. (2009). Freier Zugang und Qualität - Kein Widerspruch! Etablierte Strukturen des Wissenschaftssystems behindern die Durchsetzung von Open Access. Institut Arbeit und Technik (Forschung Aktuell Nr. 04/2009). Verfügbar unter: http://vg04.met.vgwort.de/na/f0e0c3ef776f4de3bdb22b35be84a5a7?l=http://www.iat.eu/forschung-aktuell/2009/fa2009-04.pdf

ZEIT ONLINE (2011). Analyse der Dissertation von Dr. Bernd Althusmann. URL: http://images.zeit.de/studium/hochschule/2011-07/Analyse-Althusmann-Endfassung-2.pdf (15.07.2011)

Selbsttest-Aufgaben Baustein VII

Mit Hilfe dieser Selbsttest-Aufgabe können Sie noch einmal überprüfen, ob Sie die wichtigsten Inhalte aus dem Baustein VII mitgenommen haben. Versuchen Sie zuerst, die Aufgabe selbst zu lösen. Wenn Sie auf „Lösung" klicken, können Sie die Beispiellösung mit Ihrer eigenen Lösung vergleichen.

 

1. Welche Aspekte einer Internetquelle können Sie näher betrachten, um ihre Qualität einzuschätzen?

Lösung (hier klicken, um Beispiellösung angezeigt zu bekommen):
  • Autor
  • URL/Adresse der Seite
  • Veröffentlichungszweck
  • Äußere Aufmachung
  • Akutalität
  • Kontinuität
  • Schreibstil
  • Inhalt
  • Referenzen

 

2. Nennen Sie verschiedene Formen von Plagiaten:

Lösung (hier klicken, um Beispiellösung angezeigt zu bekommen):
  • Copy and Paste Totalplagiat
  • Patchwriting
  • Shake and Paste
  • Strukturplagiat
  • falsche Zitation

 

3. Die Regel "publish or perish" bedeutet für einen Wissenschaftler, dass sein beruflicher Erfolg abhängig ist von:

a. Den anderen renommierten Wissenschaftlern (Experten)
b. Der Anzahl und Qualität seiner Publikationen
c. Den einflussreichen und prestigeträchtigen Journalen

Lösung (hier klicken, um Beispiellösung angezeigt zu bekommen):

b

 

4. Welche Strömungen haben sich in der Open Access Bewegung ergeben und wie unterscheiden sie sich?

Lösung (hier klicken, um Beispiellösung angezeigt zu bekommen):

Golden Road - Verlage ermöglichen  freien Zugriff auf die Artikel, spätestens sechs Monate nach Veröffentlichung;
Green Way - Wissenschaftler veröffentlichen selbstständigKopien als Maßnahme der Archivierung.